Eine naturheilkundliche Behandlung und Schulmedizin schließen sich keinesfalls aus, wie häufig vermutet wird. Doch sie wirken grundsätzlich anders und haben auch unterschiedliche Ansatzpunkte. Ich habe mir zu diesem Thema der unterschiedlichen Wirkweisen und der häufig sehr kontroversen Meinungen von Tierärzten und Tierheilpraktikern eine persönliche Meinung gebildet, die auch Grundlage meiner eigenen Arbeit als Tierhomöopathin ist.
Schulmedizin - nein danke?
Viele Tierhalter befürchten diese Einstellung bei Tierheilpraktikern und scheuen sich deshalb, für ihr in schulmedizinischer Behandlung stehendes Tier zusätzlich eine naturheilkundliche Meinung einzuholen. Bei seriösen Tierheilpraktikern sollte diese Angst der Tierhalter unbegründet sein. Ich persönlich vertrete sogar die Auffassung, dass insbesondere bei schwerkranken Tieren eine Kooperation zwischen Tierärzten und Tierheilpraktikerin zur Regel werden sollte, damit das optimale Ergebnis für den Patienten erreicht werden kann. Deshalb ist es für mich auch selbstverständlich, bei komplizierten Fällen eine tierärztliche Meinung einzuholen oder ich arbeite - falls Ihr Tier aktuell in schulmedizinischer Behandlung ist - auch sehr gerne mit Ihrem behandelnden Tierarzt zusammen. Nichts ist kontraproduktiver, als wenn Tierheilpraktiker oder Tierärzte über den jeweils anderen wettern bzw. ihn schlecht reden. Denn letztlich verfolgen wir ja ein gemeinsames Ziel: möglichst gesunde und muntere Tiere!
Wo Schulmedizin unentbehrlich ist
Ich habe genauso wenig Verständnis für intolerante Tierärzte als auch für Tierheilpraktiker, die meinen, man brauche überhaupt keine Schulmedizin mehr. Denn natürlich bleibt es unbestritten, dass es Situationen gibt, in denen eine antibiotische Behandlung Leben rettet oder eine Operation ein verletztes Körperteil erhalten kann. Und es gibt auch Situationen, in denen der sonst so hilfreiche Abwehrmechanismus "Amok läuft" und sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst zerstört, wie das bei manchen Autoimmun-Erkrankungen der Fall ist. Wenn man in solchen Notsituationen das Immunsystem nicht unterdrückt, verliert man meist das Tier, weshalb hier zugunsten der unterdrückenden Therapie Prioritäten gesetzt werden müssen. Sobald sich der Zustand des erkrankten Tieres stabilisiert hat, halte ich es allerdings für sehr wichtig, mittels klassischer Homöopathie der Krankheitsursache auf den Grund zu gehen und das innere Gleichgewicht im Organismus wieder herzustellen. Das Ziel sollte dann sein, unterdrückende Medikamente wie zum Beispiel Cortison langsam auszuschleichen oder zumindest stark reduzieren zu können.
Wo Schulmedizin mehr schadet als nützt
Unbestritten ist leider allerdings auch, dass viele Schulmediziner - sowohl Humanmediziner als auch Veterinäre - ihre Patienten nur noch nach dem "Schema F" behandeln und viel zu schnell bei jedem kleinen Wehwehchen Cortison oder Antibiotika einsetzen. Zwar zeigen diese Medikamente tatsächlich sehr häufig eine schnelle Linderung der Krankheitssymptome, aber durch diese Behandlungsweise wird in den seltensten Fällen Heilung erreicht. Vielmehr wird die Krankheit unterdrückt und sucht sich dann mit neuen Symptomen ein anderes Ventil. Das Tier bekommt also nach mehr oder weniger kurzer Zeit eine neue Erkrankung, die meist auch völlig anders als die vorherige ist - aus schulmedizinischer Sicht besteht zwischen diesen Erkrankungen dann kein Zusammenhang, und so wird diese neue, "zufällig" entstandene Krankheit abermals nach homöopathischer Sicht unterdrückt. Ein zerstörerischer Kreislauf setzt sich dadurch in Gang.
Schulmedizin versus Homöopathie
Zur Veranschaulichung ein Beispiel über die doch recht unterschiedlichen Sichtweisen von Schulmedizin und Homöopathie bezüglich Heilung und Gesundheit:
Drei Hunde leben unter völlig identischen Bedingungen: sie leben beim gleichen Halter, werden gleich gefüttert etc. Eines Tages fressen alle drei Hunde bei einem Spaziergang weggeworfenen Müll und kommen so in Kontakt mit fakultativ-pathogenen Bakterien. Der erste Hund zeigt in den folgenden Tagen keinerlei Krankheitszeichen, sondern ist fit und gesund wie immer. Der zweite Hund ist drei Tage später auffallend matt und appetitlos, aber einen weiteren Tag später geht es ihm schon wieder gut. Den dritten Hund erwischt es ziemlich schlimm: Durchfall, Erbrechen, Fieber, Apathie. Dem kranken Hund wird ein Antibiotikum verabreicht, die Krankheitssymptome verschwinden schnell wieder, schulmedizinisch gesehen ist dieser Hund nun wieder geheilt - oder doch nicht? Nach homöopathischer Auffassung waren die Ursache für seine Erkrankung nämlich nicht die Bakterien - sonst wären die anderen Hunde ja genauso krank geworden. Die Ursache ist seine individuelle Disposition, auf krankmachende Reize zu reagieren bzw. seine Empfänglichkeit für bestimmte Erkrankungen. Diese individuelle Disposition kann angeboren oder erworben sein - und genau dort setzt die homöopathische Behandlung an, um dem Tier zu größerer Gesundheit zu verhelfen. Denn je häufiger man so ein Tier mit unterdrückenden Therapien negativ beeinflusst und schwächt, umso häufiger und umso ernster erkrankt das Tier, denn umso empfänglicher wird es damit für immer schlimmere Krankheiten.
Aus homöopathischer Sicht sollte man daher eine nicht wirklich notwendige Antibiotikum- oder Cortisontherapie immer zu vermeiden versuchen. Ist sie jedoch nicht vermeidbar, sollte im Anschluss eine klassisch homöopathische Behandlung erfolgen, um das innere Gleichgewicht wieder herzustellen und um die individuelle Disposition zu erkranken in Richtung Gesundheit anzuheben.
Wie man sieht, sind die Ansätze von Homöopathie und Schulmedizin grundsätzlich andere. Die Schulmedizin behandelt die Krankheit, die Homöopathie das Individuum. Schulmedizinisch gesund ist ein Tier, wenn sein Körper keine äußerlichen Krankheitssymptome zeigt. Homöopathisch gesund ist ein Tier, wenn sich sowohl die innere Lebenskraft als auch der äußere Körper in einem harmonischen Gleichgewicht befinden.